Wallfahrt nach Südpolen

Zum zweiten Mal gab es heuer die Gelegenheit, gemeinsam mit unserem Herrn Dekan Gabriel seine Heimat Südpolen im Rahmen einer Wallfahrt zu besuchen. Aufgrund der vielen eindrücklichen Fotos und Erzählungen der letzten Fahrt vor zwei Jahren ließen es sich viele aus unserem Seelsorgeraum nicht nehmen, all die schönen Orte mit eigenen Augen zu sehen. So starteten am Tag nach Fronleichnam zur eher unchristlichen Zeit um 5 Uhr morgens die ersten Pilger mit einem polnischen Reisebus von Obernberg. Unterwegs sammelten wir an verschiedenen Haltestellen auch noch alle anderen ein, die zum Teil aus den Seelsorgeräumen Zirl und Wattens stammten, und so brachen insgesamt 33 Personen zur lange ersehnten Fahrt auf, darunter unsere Reiseleiter Dekan Gabriel und PA Julia Schneitter aus Zirl. Unsere Gebete für eine gute Fahrt wurden erhört, und wir kamen bereits um ca. 18 Uhr wohlbehalten an unserer ersten Unterkunft Kamień Śląski (Großstein) an, wo wir in der schönen Hauskapelle mit Dekan Gabriel und musikalischer Begleitung aus unseren Reihen eine beschwingliche Dankesmesse feierten.

Am nächsten Tag starteten wir gleich in unser dichtes Programm und besuchten Polens Nationalheiligtum, den bedeutenden Wallfahrtsort Jasna Góra in Częstochowa (Tschenstochau), wo wir im Rahmen einer tollen Führung unter anderem die berühmte Schwarze Madonna besichtigen durften. Nachmittags besuchten wir Góra Świętej Anny, St. Annaberg, wo wir ebenfalls eine eindrückliche Führung durch das weitläufige Gelände genießen und im Anschluss eine Hl. Messe mit unserem Dekan Gabriel feiern durften. Im Rahmen seiner Dankesworte erfuhren wir von Gabriel, dass dieser Ort, der in unmittelbarer Nähe seines Heimatortes liegt, nicht nur für ihn, sondern auch für uns alle von großer Bedeutung ist: am St. Annaberg traf Gabriel im tiefen Gebet die für uns alle maßgebliche und wundervolle Entscheidung, nach Tirol zu gehen. Somit sind wir alle auf wundersame Weise mit diesem schönen friedlichen Ort verbunden, was diesem Besuch eine ganz besondere Stimmung verlieh.

Nach dem schmackhaften Abendessen mit polnischen Spezialitäten wartete eine weitere tolle Überraschung auf uns: Das Orkiestra dęta Wielowieś, welches letzten Sommer beim Pfarrfest in Obernberg zu Gast war, besuchte uns wiederum und spielte im Garten unserer Unterkunft ein tolles Konzert. Wir freuten uns über die schönen Klänge und das Wiedersehen und verbrachten einen gemütlichen Abend mit unseren liebgewonnenen polnischen Freunden.

Im Anschluss an eine feierliche Sonntagsmesse in der Hauskapelle inklusive wie immer zutiefst bewegender Predigt von Dekan Gabriel über all die Schlüssel, die wir von Gott erhalten haben und mit denen wir, richtig angewandt, einerseits Menschen „aufschließen“ und andererseits selbst von lieben Mitmenschen bei Bedarf wieder „aufgeschlossen“ werden können, genossen wir eine kurzweilige und spannende Führung durch die Stadt Wrocław (Breslau), angefangen beim Skytower mit Mega-Ausblick über die Stadt und animierter Haifischbeckenillusion im Hochgeschwindigkeitsaufzug, über die Stadtinsel mit der traumhaft schönen Johanneskathedrale bis zu den beeindruckenden Prunksälen der Universität. Am Abend beteten und sangen wir in der schönen Kapelle der Kuranstalt neben unserer Unterkunft gemeinsam den Barmherzigkeitsrosenkranz.

Das riesige Gelände des Kalvarienbergs von Kalwaria Zebrzydowska, der mit seiner Basilika und unzähligen kleinen Kapellen seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, lernten wir am nächsten Tag kennen und mussten leider feststellen, dass man wohl eine ganze Woche benötigen würde, um all die “Wegchen” und Kapellen begehen zu können. Am Nachmittag stand der Besuch von Wadowice am Programm, dem Heimatort von Papst Johannes Paul II. In der großen Basilika konnten wir das Taufbecken besichtigen, in welchem der Papst einst getauft wurde. Direkt neben der Basilika steht das ehemalige Elternhaus des Papstes, welches heute in den Originalräumlichkeiten ein sehr aufwändig gestaltetes und wirklich sehenswertes Museum beherbergt, das ganz dem bewegten Leben von Karol Wojtyła gewidmet ist. Eine Verkostung der Cremeschnitten, die der Papst einst so gerne hatte, war natürlich ebenfalls ein Muss, bevor wir zu unserer nächsten Unterkunft aufbrachen, dem Benediktinerkloster Tyniec.

Unser toller Busfahrer Marek brachte uns am nächsten Morgen nach Wieliczka, wo wir 40 Stockwerke in die Tiefe stiegen, um durch die Stollen des riesigen Salzbergwerks zu wandern und im Rahmen der Führung viel Wissenswertes zu erfahren. Neben eindrucksvollen Statuen, türkisblauen unterirdischen Seen und kleinen Kapellen war die riesige Kirche in 140m Tiefe, die von den Bergleuten einst in das Salz gehauen wurde, natürlich ein Highlight, an dem man sich kaum sattsehen konnte. Nach zweistündiger Führung und etlichen bewältigten Schritten sorgte der Hinweis, dass wir nur ca. 1% des ganzen Bergwerks gesehen hatten, doch für einiges Staunen.

Im Łagiewniki-Sanktuarium beim Gnadenbild vom Barmherzigen Jesus, das Schwester Faustyna ihren Visionen entsprechend anfertigen ließ, beteten und sangen wir am nächsten Tag den Barmherzigkeitsrosenkranz und feierten eine sehr schöne Hl. Messe mit Dekan Gabriel. Die Basilika der Barmherzigkeit Gottes bestach durch ihre schiere Größe, Helligkeit, Freundlichkeit und Schönheit. Anschließend besuchten wir das nahegelegene Sanktuarium Johannes Paul II, eine beeindruckende Kirche mit Unterkirche und vielen kleinen Kapellen. Dort ist auch die Soutane ausgestellt, die der Papst bei dem auf ihn verübten Attentat trug.

Der Nachmittag war der Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau gewidmet. Rückblickend muss man festhalten, dass einen nichts und niemand auf die Schrecken vorbereiten kann, die einen dort erwarten. Gänge mit unzähligen Fotografien ehemaliger unfreiwilliger BewohnerInnen und raumlange Vitrinen mit Gegenständen, die diesen Menschen gehörten, klopfen unaufhörlich ins Bewusstsein, dass es sich hier nur um einen minimalen Bruchteil der Grausamkeiten handelt, die Menschen an diesem und anderen Orten ihren Mitmenschen angetan haben. Der ständige Versuch, die Dimensionen gedanklich erfassen und in der Realität entsprechende Zahlen potenzieren zu wollen, scheiterte unaufhörlich an der beklemmenden Gewissheit des Unvorstellbaren. Die Besichtigung der Unterkünfte in Birkenau schließlich steigerte die Bedrückung ins Unerträgliche, sodass man überwältigt war vor Mitgefühl für die Menschen, die all das am eigenen Leib und dem ihrer Kinder erfahren mussten. Entsprechend gedämpft war die Stimmung bei der anschließenden Hl. Messe, und erst beim Abendessen konnten wir langsam wieder Mut schöpfen und unseren Hans aus Schmirn feiern, der an diesem Tag seinen 70. Geburtstag feierte.

Den letzten Tag verbrachten wir damit, die Schönheit der Stadt Krakau zu entdecken, die lange Zeit die Hauptstadt Polens war. Highlights waren das jüdische Viertel mit Besichtigung der Synagoge, der Wawelhügel, ehemaliger Sitz aller geistlichen und weltlichen Regierenden Krakaus, der Marktplatz und die Marienbasilika mit dem größten Wandelaltar Europas.

Bedanken möchten wir uns herzlich bei Dekan Gabriel und PA Julia für die tolle Organisation dieser Pilgerreise voller unvergesslicher Eindrücke, für die freundschaftliche Begleitung, die raffiniert ausgewählten schmackhaften Abendmenüs und das unbeschreiblich tolle Gesamterlebnis; bei den guten Seelen, die während der längeren Busetappen mit uns wunderschöne Rosenkränze und Kreuzwege beteten; 

bei allen Mitreisenden für die wundervolle Gemeinschaft, die inspirierenden Gespräche, die schönen gemeinsamen Messen und Andachten und die gemütlichen Abende voller Spaß mit dem einen oder anderen „Lackele“ zu trinken – jedes für sich und alles gemeinsam einfach wundervoll!

(Text: Stefanie Strickner, Fotos: Julia Schneitter, Stefanie Strickner, Gabriel Thomalla)

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